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Pünktlichkeit ist eine Zier …

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Neulich kam eine Kundin ins Coaching, die meinte, sie hätte ein Autoritätsproblem als Führungskraft. Im Kennlerngespräch fragte ich u.a., wie sie darauf käme und was sie denn unter Autorität verstünde. Daraufhin antwortete mir die Dame, Autorität bedeute, dass sie von ihrem Team ernst genommen wird, dass die übertragenen Aufgaben pünktlich erledigt werden und vereinbarte Termine auch eingehalten werden. Meine nächste Frage war, welche Anhaltspunkte sie dafür hätte, dass sie von ihrem Team, bestehend aus sieben Mitarbeitern, als Führungskraft nicht ernst (genug) genommen wird.

Die Antwort war, dass die Teammitglieder häufig verspätet oder unter fadenscheinigen Gründen und kurzfristigen Absagen gar nicht zu Meetings erscheinen würden. Auch übertragene Aufgaben würden häufig nicht termingerecht erledigt, obwohl die Dame genau wisse, dass genügend Zeit zur Verfügung steht und vermutlich andere Sachen wichtiger waren. Welche Sachen das sein könnten, wusste die sie allerdings auch nicht.

Im weiteren Verlauf der Coachingstunde ließ ich die Dame formulieren, was für sie gute Führung meine, was sie von ihren Teammitgliedern erwartet und wie sie sich selbst als Führungskraft sieht. Wir vereinbarten überdies einen neuen Termin in der darauffolgenden Woche. Als kleine Hausaufgabe sollte die Dame in der folgenden Woche bewusst darauf achten, Termine konkret zu kommunizieren, die Mitarbeiter kurz vor Ende der Frist zu erinnern und zu prüfen, ob sich am Verhalten der Mitarbeiter etwas ändere.

Die folgenden Termine gestalteten sich dann wie folgt: Der erste Folgetermin wurde mit einer fünfminütigen Verspätung besagter Dame eingehalten, allerdings ohne dass sie Aussagen zu ihrer Hausaufgabe machen konnte. Die sei leider im Tagesgeschäft völlig untergegangen. Der nächste Termin wurde kurzfristig ihrerseits abgesagt und der neue Termin wurde eingehalten, jedoch wiederkehrend durch wichtige Telefonate unterbrochen.

Zum nächsten Termin passierte dann Folgendes: Ich kam zehn Minuten zu spät und war sehr unvorbereitet. Leider hatte ich meine Unterlagen nicht dabei, schwor aber, ich habe alles im Kopf und könne zur Not improvisieren. Die Dame war sichtlich nervös und offenbar nicht wirklich überzeugt davon. Zu allem Überdruss klingelte auch noch ständig mein Handy, das allerdings auf Vibrationsalarm gestellt war und damit ‚praktisch nicht‘ störte. Nach 60 Minuten fragte ich die Kundin, wie sie sich denn fühle und was das alles mit ihr mache.

Pünktlichkeit

Sie sagte, sie fühle sich genauso wenig ernst genommen und wertgeschätzt von mir wie von ihren Teammitgliedern und sie hätte mich anders eingeschätzt. Wie erwartet polterte die Dame los, sei habe sich extra die Zeit genommen, um hierherzukommen, habe die Arbeit unterbrochen und sie erwarte, dass ich pünktlich wäre und mich auf das Gespräch vorbereiten und konzentrieren würde.

Meine anschließende Frage, ob es ihren Teammitgliedern ähnlich ergehen könne wie ihr heute und mir in den vergangenen vierzehn Tagen, brauchte ich nicht zu Ende stellen, da fiel schon der Groschen bei der Dame, die nun erkannte oder erkennen musste, dass sie kein Autoritäts-, sondern ein Pünktlichkeitsproblem hatte.

Als ich wenig später bei der Dame anrief, dankte mir die Dame noch einmal dafür, dass ihr die Augen geöffnet worden wären und bestätigte mir gleichzeitig die positive Wende im Team, seitdem sie selbst pünktlich und vorbereitet zu jedem Meeting und jedem Termin erschien.

Der Artikel hätte auch heißen können ‚Wie du mir, so ich Dir‘. Die Quintessenz ist, dass Du das zurückbekommst, was du säest. Bist Du als Führungskraft unpünktlich, werden es mit großer Wahrscheinlichkeit Deine Teammitglieder (früher oder später) auch sein. Dabei ist Pünktlichkeit eine häufig sehr unterschätzte Form der Wertschätzung, denn sie sagt: „Ich habe zwar viel zu tun, aber jetzt nehme ich mir die Zeit nur für Dich, weil es wichtig ist und weil Du mir wichtig bist.“

Also, haltet Eure Termine ein, seid pünktlich und zeigt Eurem Gegenüber damit, dass ihr ihn wertschätzt. Ihr werdet es gleichermaßen zurückbekommen.