Wertschätzung und Selbstwert

Wir leben, das ist kein Geheimnis, in einer materialisierten Welt. Alles hat nach Möglichkeit einen Wert, der in Euro ausgedrückt werden kann. Unser Haus, unser Auto … soweit, so gut … unsere Gesundheit, unsere Leber, unser Herz und unser Leben … immer noch gut?

Was sind wir Menschen, Sie, Du und ich, wert? Nicht selten bewerten wir uns und andere nach den materiellen Dingen, die sie haben. Doch, sind wir A-Klasse-Menschen, weil wir eine fahren? Natürlich haben materielle Dinge in bestimmten Bereichen Aussagekraft, zum Beispiel gibt es gewissen Standards, die im Geschäftsleben eingehalten werden müssen. Einem Unternehmer mit einem guten Mittelklassewagen, einem gut ausgestatteten Büro und einer nett  anzusehenden Vorzimmerdame schenken wir vertrauen und schreiben ihm Kompetenz zu. Schließlich, so meinen wir, hat er sicherlich schon einiges erreicht, um sich das kaufen zu können, also muss er ja gut sein.

Was wir nicht sehen, ist der Preis, den der Unternehmer für seine Besitztümer eventuell zahlen musste und für den Erhalt noch immer muss? Was andere nicht sehen, ist der Preis, den wir selbst für unsere materiellen Errungenschaften gezahlt haben? Dieser Preis kann unter Umständen sehr hoch sein, viele Wochenarbeitsstunden, unzählige Termine, wenig Zeit mit der Familie, soziale Isolation und ein sich langsam verschlechternder gesundheitlicher Zustand. Dazu kommen häufig innere Zerrissenheit zwischen der Verantwortung für die Familie und die Mitarbeiter, zwischen finanzieller Sicherheit und Unsicherheit, Zukunftsinvestitionen und Existenzängsten. Gerade im Unternehmertum verschwimmen diese Grenzen häufig. Was heute noch sicher war oder schien, kann morgen bereits auf der Kippe stehen. Damit muss man umgehen können, jeden Tag.

Das erfordert ein gewisses Maß an Stärke, Geduld, Gelassenheit und vor allem Wertschätzung. Wertschätzung hat dabei viele Facetten bezogen auf das Unternehmen, die Mitarbeiter, die Familie und auf sich selbst. Obwohl die Reihenfolge umgekehrt sein sollte, wird sie von vielen Unternehmern, oder Management- und Führungskräften so gelebt. Aber auch, wenn die Familie das wichtigste ist, fühlen häufig alleinstehende oder berufstätige Frauen und Mütter eine solche Zerrissenheit. Das eigene Ich kommt dabei meist viel zu kurz, allerdings mit gewaltigen Folgen.

Stress, Burnout, Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Herzrhythmus-Störungen und Kreislaufprobleme, Ängste, Unsicherheiten, Fehlentscheidungen, um nur einige zu nennen. An einem bestimmten Punkt dominiert in unserem Sein der Aufwand die Wirkung, d.h. wir mühen uns nur noch ab, ohne viel zu schaffen. So ist zu fragen, bei aller nicht zu verachtenden Verantwortung, ist es das wert? Seid ihr, liebe Menschen, die ihr ein ungeheures Maß an Verantwortung tragt, euch nur das wert? Mehr nicht?

Hand aufs Herz, wir können doch nur und über längere Zeit Höchstleistungen vollbringen, wenn wir uns selbst wichtig und viel wert sind, wenn wir uns regelmäßig Gutes tun. Das sind oft schon ganz elementare Dinge, wie ausreichend Schlaf, regelmäßige Erholungszeiten, regelmäßiges und gesundes Essen, Bewegung. Wir können nicht konsequent auf Hochtouren laufen, wenn wir unseren Motor nicht mit guten Energieträgern füttern und genug Pause gönnen. Gebt auch eurem Kopf regelmäßig eine Auszeit. Erlaubt euch, loszulassen und die Dinge ihren Lauf nehmen zu lassen. So einfach ist das aber nicht, werden jetzt sicher einige von euch denken. Es kann mit der entsprechenden Einstellung und einem Wertesystem, in dem der Selbstwert ganz weit oben steht, jedoch (fast) so einfach sein.

Daher kann es als ersten Schritt sehr hilfreich sein, zu ergründen, was uns dazu bringt, uns bis zur Erschöpfung abzumühen, was fehlt uns, was wollen wir vermeiden, wo wollen wir hin? Laufen wir vielleicht vor etwas davon? Ist der Weg, den wir gehen, der einzige Weg? Weiterhin ist zu klären: Was müsste gegeben sein, damit wir uns selbst wertschätzen? Dies zu erkennen, kann eine Weile dauern, auch professionelle Unterstützung erfordern, hilft uns jedoch dabei, unser Verhalten und unsere Einstellung uns selbst gegenüber zu verstehen und zu verändern.

Pebble stack

Bis dahin können wir schon mit kleinen Gesten unsere Seele streicheln, ein langer Spaziergang, bei dem wir uns ganz auf unsere Umgebung konzentrieren und die Schönheiten der Natur entdecken, ein gutes Essen mit einem Menschen, den wir sehr schätzen oder ein paar Stunden Wellness in einem Thermalbad. Wasser trägt uns und kann schon etwas mehr Leichtigkeit in unser Leben bringen. Wichtig ist, dass ihr etwas findet, das euch für diese Zeit aus dem Alltag holt, euch auf andere Gedanken bringt, entspannend ist und damit auch Energie zurückbringt.

Gutes strahlt aus und kommt zurück. Sind wir wertschätzend zu uns, ändert das auch die Wirkung, die wir auf andere Personen haben. Beruflicher und privater Erfolg sowie das Erreichen von Zielen stehen in enger Verbindung mit der eigenen Wertschätzung und dem Selbstwert. Also fragt euch ernsthaft: Was bin ich mir wert?

In diesem Sinne habt eine tolle Woche und tut euch viel Gutes!