Zum (möglichen) Sinn des Lebens

Welchen Sinn hat das eigene Leben? Diese Frage stellen wir uns immer wieder und häufig dann, wenn es uns nicht gut geht, wir in einer Krise stecken und das so berühmte Licht am Ende des Tunnels nicht sehen können. In diesen Zeiten spüren wir häufig, dass verschiedene Werte verletzt sind, wir fühlen uns allein, einsam, ungeliebt oder ungebraucht und stellen unser Dasein in Frage.

Dabei vergessen wir jedoch schnell, dass der Sinn unseres Lebens nicht von anderen Menschen abhängen kann, sondern wir allein unserem Leben einen Sinn geben können, schwere traumatische Schicksalsschläge in dieser Betrachtung außen vor gelassen.

Wenn wir unserem Leben einen Sinn geben wollen, was kann das sein? Ein Lebenssinn kann sein, Spuren zu hinterlassen. Es gibt Menschen, die hinterlassen sehr große und sichtbare Spuren, erfinden bahnbrechende Dinge, erschaffen unglaublich schöne Bilder oder Musikstücke, schreiben Geschichten, die noch nach Jahrzehnten Groß und Klein begeistern oder erschaffen Bauten, die andere Menschen anziehen.

Und dann gibt es Menschen, die hinterlassen auch Spuren, jedoch in unserem Inneren. Diese Spuren können positiv oder negativ sein. Sie sind oft weniger deutlich oder nicht gleich zu erkennen, aber sie sind da und wirken zum Teil ein Leben lang. Das können auf der einen Seite ein böses Wort, eine unbedachte Äußerung, eine verwehrte Bitte oder eine herausgekommene Lüge sein. Diese Spuren können, vor allem, wenn sie uns von geliebten Menschen beigebracht wurden, sehr tief sein und uns lange in der Persönlichkeit und im Sein blockieren. Wir entwickeln Ängste, Vorurteile und Blockaden.

Auf der anderen Seite sind es ein Lächeln, eine gereichte Hand, eine liebevolle Umarmung oder ein von Herzen kommendes ehrliches Kompliment, die diese Wunden und Wertverletzungen heilen können. Nur dauert dieser Heilungsprozess oft wesentlich länger, als es brauchte, um uns zu verletzen und meist bleibt eine Narbe.

Spuren_hinterlassen

Doch, wie oft sind wir selbst es, die andere verletzen? Wie gehen wir damit um? Kann eine in Worten ausgedrückte Entschuldigung wirklich ausreichen? Und, wenn wir ehrlich sind, wie oft, sind wir es, die anderen Menschen bewusst und achtsam etwas Gutes tun, einfach so, weil wir Freude daran haben? Wie achtsam leben wir? Bekommen wir überhaupt mit, wie es den Menschen in unserem Umfeld geht? Was geben wir anderen Menschen aus unserem Herzen, ungeachtet der eigenen Verletzungen?

So kann es ein Lebenssinn sein, diese Spuren bewusst zu hinterlassen, indem wir uns öffnen für die positiven Dinge im Leben. Ein freundliches Guten Morgen zum Busfahrer, eine echtes Lächeln für die Bäckereiverkäuferin, für den ungeliebten Kollegen oder den Nachbarn, der nie grüßt, ein ehrlich gemeintes „Wie geht es Dir?“ oder „Lass mich Dir helfen!“.

Auf diese Weise heilen für Wertverletzungen in doppelter Weise, bei anderen Menschen und bei uns selbst. Es ist leicht vorzustellen, wie sich diese Heilungsprozesse potenzieren, wenn uns dieses Verhalten von vielen anderen Menschen auch entgegengebracht wird. Es ist nicht immer leicht, aber je öfter wir auf diese Weise anderen Menschen begegnen, umso selbstverständlicher wird es, nach und nach erfüllt uns dieses neue Sein. Was wir Gutes tun, kommt immer zurück.

Wir alle hinterlassen bei anderen Menschen unsere Spuren, jeden Tag. Entscheidet, welche Spuren ihr hinterlassen wollt.